Zum Hauptinhalt springen
Wissen, das wir gemeinsam aufbauen Ehrlich und transparent Von echten Menschen mit echten Daten

OGTT verstehen: der Zuckerbelastungstest Schritt für Schritt

Der orale Glukosetoleranztest (OGTT) prüft, wie gut Ihr Körper eine definierte Zuckermenge verarbeitet. Er gilt als Goldstandard der Diabetes-Diagnostik – und deckt Auffälligkeiten auf, die andere Tests übersehen.

Autor: StoffwechselFit
Zuletzt aktualisiert: 12.07.2026
Individuelle Illustration: OGTT verstehen: der Zuckerbelastungstest Schritt für Schritt
OGTT verstehen: der Zuckerbelastungstest Schritt für Schritt

Anders als HbA1c oder Nüchternwert ist der OGTT ein „Belastungstest”: Er fordert den Zuckerstoffwechsel gezielt heraus und zeigt so, wie gut die Regulation funktioniert.

So läuft der Test ab

Man erscheint nüchtern (nach etwa 8–12 Stunden ohne Essen). Zuerst wird der Nüchternwert bestimmt. Dann trinkt man eine definierte Zuckerlösung – standardmäßig 75 g Glukose in etwa 200–250 ml Wasser. Nach zwei Stunden wird erneut Blut abgenommen.1 Der Vergleich der Werte zeigt, wie der Körper mit dem Zucker umgeht.

Wie die Werte bewertet werden

Entscheidend ist vor allem der 2-Stunden-Wert. Nach den WHO-Kriterien gilt: unter 140 mg/dl normal, 140–199 mg/dl gestörte Glukosetoleranz (Prädiabetes), ab 200 mg/dl Diabetes-Bereich.12 Zusätzlich wird der Nüchternwert bewertet (ab 126 mg/dl diabetesverdächtig).2

Bewertung des 2-Stunden-Werts im OGTT Bewertung des 2-Stunden-Werts nach 75 Gramm Glukose nach WHO: normal unter 140 mg pro Deziliter, gestörte Glukosetoleranz und damit Prädiabetes von 140 bis 199, Diabetes ab 200 mg pro Deziliter. So wird der 2-Stunden-Wert bewertet Plasmaglukose 2 Stunden nach 75 g Glukose (WHO) Normal unter 140 mg/dl Gestörte Toleranz 140–199 mg/dl (Prädiabetes) Diabetes-Bereich ab 200 mg/dl Auch der Nüchternwert zählt Zusätzlich zum 2-Stunden-Wert wird der Nüchternwert bewertet: ab 126 mg/dl spricht er für Diabetes. Ein einzelner auffälliger Wert wird ärztlich eingeordnet und meist bestätigt.
Abb. 1: Die Bewertung des 2-Stunden-Werts nach WHO. Zusätzlich zählt der Nüchternwert.
Warum der OGTT manchmal mehr zeigt

Der OGTT deckt Störungen auf, die bei alleiniger HbA1c- oder Nüchternmessung unentdeckt bleiben können.3 Deshalb gilt er als Goldstandard – ist aber aufwändiger und schwankt stärker, weshalb ein auffälliges Ergebnis ärztlich eingeordnet und meist bestätigt wird.

Der OGTT in der Schwangerschaft

Eine besondere Rolle spielt der Test beim Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Hier wird typischerweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein 75-g-OGTT durchgeführt, mit eigenen, strengeren Grenzwerten.4 Wichtig: Der HbA1c ist zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes nicht geeignet – hier führt am OGTT kein Weg vorbei.4

⚠️ Gut vorbereiten

Das Ergebnis wird von Fastendauer, Ernährung der Vortage, Bewegung, Krankheit und Medikamenten beeinflusst.4 Halten Sie sich an die Vorgaben der Praxis. Die Auswertung und alle Konsequenzen gehören in ärztliche Hände.

Wann und warum der Test gemacht wird

Der orale Glukosetoleranztest (OGTT) kommt zum Einsatz, wenn Nüchternwert oder HbA1c nicht eindeutig sind oder ein genauerer Blick nötig ist. Er deckt Störungen der Zuckerverarbeitung früher auf als der Nüchternwert allein, weil er zeigt, wie der Körper eine definierte Zuckermenge tatsächlich bewältigt. In der Schwangerschaft ist er der Standard zur Suche nach Schwangerschaftsdiabetes.

Wie man sich vorbereitet

Damit das Ergebnis aussagekräftig ist, gelten ein paar Regeln: in den Tagen davor normal essen (nicht bewusst kohlenhydratarm), am Testtag nüchtern erscheinen (mindestens 8 Stunden), und während der Wartezeit ruhig sitzen bleiben, nicht rauchen und sich nicht anstrengen – all das würde die Werte verfälschen.

Grenzen des Tests

Der OGTT ist eine Momentaufnahme und schwankt von Tag zu Tag stärker als der HbA1c. Ein einzelner grenzwertiger Wert ist deshalb kein Urteil, sondern ein Anlass, genauer hinzuschauen. Auffällige Ergebnisse gehören immer ärztlich eingeordnet und bei Bedarf bestätigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der OGTT prüft mit 75 g Glukose, wie gut der Körper Zucker verarbeitet.
  • Ablauf: nüchtern messen, Zuckerlösung trinken, nach 2 Stunden erneut messen.
  • 2-Stunden-Wert: <140 normal, 140–199 Prädiabetes, ab 200 mg/dl Diabetes.
  • Gilt als Goldstandard – deckt mehr auf als HbA1c oder Nüchternwert allein.
  • In der Schwangerschaft unverzichtbar; HbA1c taugt dort nicht zur Diagnose.

Quellen

Alle Quellenstand: 12.07.2026.

  1. OGTT-Protokoll: nüchtern, 75 g Glukose in 200–250 ml Wasser, Messung bei 0/2 h; WHO-Grenzen (2h ≥140 IGT, ≥200 Diabetes). PMC. ncbi.nlm.nih.gov/PMC5491909 (öffnet in neuem Fenster)
  2. WHO-Kriterien 2h-OGTT: <140 normal, 140–199 IGT, ≥200 mg/dl Diabetes; Nüchtern ≥126. FOGSI/WHO-Zusammenfassung. fogsi.org (öffnet in neuem Fenster)
  3. OGTT als Goldstandard der T2D-Diagnostik; HbA1c/Nüchternwert können mildere Dysglykämie übersehen. PMC. ncbi.nlm.nih.gov/PMC5491909 (öffnet in neuem Fenster)
  4. Gestationsdiabetes: 75-g-OGTT in SSW 24–28, IADPSG-Kriterien; HbA1c ungeeignet; Einflussfaktoren auf das Ergebnis. myadlm.org / Medscape. emedicine.medscape.com (öffnet in neuem Fenster)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bereiten Sie den Test nach den Vorgaben Ihrer Praxis vor. Kein Heilversprechen.

Teilen

Das sind einfache Links — es werden keine Tracking-Skripte geladen.